Schwerpunkt Neurodegeneration

Neurodegenerative Erkrankungen

Die Huntington-Krankheit ist eine seltene erbliche Krankheit des zentralen Nervensystems. In Westeuropa und Nordamerika sind ungefähr 7 von 100.000 Menschen von der Huntington-Krankheit betroffen, das sind etwa 8.000 Menschen in Deutschland. Sie ist eine fortschreitende Erkrankung, die meist zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr ausbricht. In seltenen Fällen kann sie auch in der frühen Kindheit oder im höheren Alter auftreten. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell und von Patient zu Patient verschieden. Viele Patienten leiden unter neurologischen Störungen, beispielsweise Bewegungs-störungen oder psychischen Veränderungen wie Verhaltensstörungen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt ein Rückgang der intellektuellen Fähigkeiten hinzu. Die Huntington-Krankheit verläuft fortschreitend. Ursache ist eine Veränderung (Genmutation) im Huntingtin-Gen. Es handelt sich dabei um die Verlängerung aufeinanderfolgender CAG-Triplets, die für die Aminosäure Glutamin codieren. Die Mutation wird autosomal dominant vererbt, d.h. die Kinder eines Mutationsträgers haben ein 50%iges Risiko, die Mutation ebnfalls zu tragen und zu erkranken.

Benannt ist die Huntington-Krankheit nach dem amerikanischen Arzt George Huntington aus Long Island (New York, USA), der sie 1872 beschrieb. Er hatte erkannt, dass es sich um eine erbliche Krankheit handelt.

Die Huntington-Krankheit (abgekürzt HK; englisch Huntington's disease, abgekürzt HD) wird auch Chorea Huntington, Morbus Huntington genannt und war früher als Veitstanz bekannt.Der Name Chorea (griech. choreia = Tanz) rührt von den für die Erkrankung typischen, zeitweise einsetzenden unwillkürlichen, raschen, unregelmäßigen und nicht vorhersehbaren Bewegungen her. Zusammen  mit dem unsicheren, fast torkelnden Gang und dem Grimassieren können diese Symptome sehr entfernt an einen Tanz erinnern.In der Medizin werden heute mit "Chorea" plötzlich einsetzende, vielgestaltige unwillkürliche Bewegungen verschiedener Muskeln , besonders der Arme und Beine, bezeichnet. Da die choreatischen Bewegungen nur einen Teil der Symptome ausmachen, spricht man heute weniger von Chorea Huntington als von der Huntingtonschen Erkrankung oder Morbus Huntington.

Meist stehen am Anfang der Erkrankung fortschreitende psychische Auffälligkeiten im Vordergrund: Die Patienten sind depressiv oder vermehrt reizbar und aggressiv oder enthemmt; andere bemerken einen Verlust an geistigen Fähigkeiten oder eine zunehmende Ängstlichkeit. Später kommt es häufig zur Demenz.

Die Bewegungsstörungen bestehen in plötzlich auftretenden, unkontrollierbaren und überschießenden Bewegungen von Extremitäten oder Rumpf. Diese Störungen können in Ruhe auftreten oder andere Bewegungen beeinträchtigen. Anfangs ist es möglich, dass diese übertriebenen und ungewollten Bewegungen oft noch in scheinbar sinnvolle Bewegungsabläufe eingebaut werden. So entsteht beispielsweise eine für den Beobachter übertrieben wirkende Gestik. Auch die Zungen- und Schlundmuskulatur können betroffen sein. Die Sprache wirkt in diesen Fällen abgehackt und unverständlich, Laute werden explosionsartig ausgestoßen. Ebenso kann es zu Schluckstörungen kommen, so dass die Nahrungsaufnahme sehr schwierig wird. Lungenentzündung aufgrund von Schluckstörungen sind eine häufige Komplikation. In späteren Stadien steht eher eine Muskelsteifheit mit Bewegungsverminderung im Vordergrund.

Zwar wurden in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte in der Grundlagenforschung erreicht, doch gibt es bis heute keine wirksame Therapie gegen die Huntington-Krankheit. Daher können Medikamente nur bestimmte Symptome verbessern.

Weitere neurodegenerative Erbkrankheiten, die von Verlängerungen eines CAG-Repeats verursacht werden, sind Dentatorubro-Pallidoluysische Atrophie (DRPLA), Spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy (SBMA) sowie die Spinozerebelläre Ataxien vom  Typ 1 (SCA1), Typ 2 (SCA2), Typ 3 (Machado-Joseph-Krankheit, SCA3), Typ 6 (SCA6), Typ 7 (SCA7) und Typ 17 (SCA17). Da das Basentriplett CAG für die Aminosäure Glutamin codiert, spricht man von Polyglutaminerkrankungen.

Forschungsthemen

Am Institut für Medizinische Genetik beschäftigen wir uns in Kooperation mit dem Institut für Anatomie mit einem transgenen Rattenmodell für Morbus Huntington (BACHD-Ratten). Neben der Verhaltenscharakterisierung werden auch histologische und molekularbiologische Fragestellungen bearbeitet:

  • Spiegelt das BACHD- Rattenmodell (Linie 22) die humane Erkrankung wieder (Psyche, Motorik, Kognition)?
  • Zeigen die Tiere Neurodegeneration? Corticale und striatale Atrophie?
  • Wenn ja, in welchen Gehirnberichen, wann Beginn?
  • Gibt es intranukleäre oder Neuropil-Aggregate?
  • Wenn ja, in welchen Gehirnberichen, wann Beginn?
  • Gibt es einen Verlust von D2-Rezeptoren?
  • Werden Gene differentiell exprimiert?

 

 

Ansprechpartner

Dr.rer. nat. Carsten Holzmann

Tel.: (0381) 494 7088

carsten.holzmann(at)med.uni-rostock.de